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Russische LGBTI-Organisationen gegen Mobilfunkhandelsgruppe "Euroset"

veröffentlicht um 07.01.2014, 09:29 von Regina Elsner   [ aktualisiert: 07.01.2014, 10:04 ]

Zahlreiche russische LGBTI-Organisationen haben sich nach den aggressiv homophonen Aussagen des Schauspielers und Priesters Ivan Ochlobystin mit offenen Briefen an die Handelsgruppe "Euroset" gewandt. Olchobystin ist Artdirektor des marktführenden Anbieters von Mobilfunkgeräten in Russland. Er hatte in einem seiner Auftritte vor großem Publikum erklärt: "Ich würde sie alle (Homosexuelle) lebendig in einen Ofen stecken und verbrennen." 
Eine Koalition von 5 LGBTI-Organisationen (Russisches LGBT-Netzwerk, Coming Out, Side by Side, LGBT-Sportföderation, Out Loud) forderte in einem offenen Brief an den Präsidenten von "Euroset" Alexander Malis eine Reaktion auf die schockierenden und zum Hass aufrufenden Aussagen und ein klares Bekenntnis zu der Unzulässigkeit der Verbreitung von auf Vorurteilen beruhendem Hass und Hetze, u.a. gegen Homo- und Bisexuelle und Transgender. In dem Brief heißt es: "Unter den 50 Millionen Kunden, die monatlich die Geschäfte von "Euroset" besuchen, unter den Millionen, die interaktiv ihre Dienstleistungen nutzen, und unter ihren Mitarbeitern gibt es mehrere Millionen Menschen, welche der Artdirektor von "Euroset" "lebendig in den Ofen stecken" will. Es sind unsere Eltern, Kinder, Verwandte, Freunde, Kollegen. Es sind viele, die bereits unter psychologischer oder physischer Gewalt zu leiden hatten. Außerdem glauben wir, dass die Mehrheit der Kunden und Mitarbeitern von "Euroset" Menschen sind, für die solche Meinungen und Aussagen nicht nur unzulässig, sondern auch unvereinbar mit Vorstellungen von Würde, Aufrichtigkeit und Menschlichkeit sind, und das bezieht sich gleichermaßen auf nationalistische, antisemitische, homophobe oder andere menschenverachtende Aussagen."
Weiter heißt es: "Solche unmenschlichen Aussagen wie von Herrn Ochlobystin machen einen zivilisierten Dialog unmöglich. Es ist das schrecklichste, dass sie öffentlich das menschliche Leben abwerten."
Der offene Brief fordert von der Firmenleitung eine öffentliche Stellungnahme zu dem Inzident und wertet das fortgesetzte Schweigen als Zustimmung zu den Aussagen des Artdirectors.

Wenig später wandten sich über 20 LGBTI-Organisationen an die Geschäftsleitung von Apple mit der Forderung, die Zusammenarbeit mit "Euroset" einzustellen. In dem offenen Brief verweisen die Autoren Apple auf das Firmenimage als tolerante und ausgesprochen LGBTI-zugewandte Organisation und fordern zu einer klaren Positionierung angesichts der offenen Homophobie und Anheizung der ohnehin äußerst aggressiven Stimmung gegenüber LGBTI in Russland.

Beide Briefe sind Teil einer russlandweiten Kampagne gegen "Euroset". Darüber hinaus gibt es eine Petition über change.org sowie verschiedene Banner und Bilder für die sozialen Netzwerke vkontakte.ru und Facebook.

Ivan Olchobystin hat sich unterdessen an Präsident Putin gewandt mit der Forderung, Homosexualität wieder unter Strafe zu stellen. Er sieht ein solches Verbot als notwendige Konsequenz des 2013 verabschiedeten Gesetzes zum "Schutz der Gefühle Gläubiger" und weist auf die Gefahr hin, dass "die Sodomiten, da sie selber keine Kinder haben können, mit unseren Kindern ihre Reihen auffüllen werden."

Quellen:

Übersetzung: Quarteera e.V.
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