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Offener Brief zu den Vorfällen in Woronesch

veröffentlicht um 22.01.2013, 14:03 von Regina Elsner
Quarteera e.V. (22.01.2013) Nach der offenen Unterstützung von Nationalisten durch die Mitarbeiter einer Adidas-Filiale bei den homophoben Ausschreitungen in der russischen Stadt Woronesch am 20. Januar haben mehrere Einzelpersonen und schließlich einige Organisationen, unter ihnen Quarteera e.V., einen Protestbrief an die Geschäftsführung von Adidas in Russland und Deutschland geschickt mit der Bitte um Klärung und der Forderung nach einer offiziellen Entschuldigung. Nachdem die russische Leitung zunächst antwortete, dass es keinen Kommentar zu dem Vorfall gäbe, antwortete die deutsche Geschäftsführung umgehend. Einen entsprechenden Brief gab es schließlich auch von der russischen Seite. Wir veröffentlichen hier den Briefwechsel:

ADIDAS
Social & Environmental Affairs
Adi-Dassler-Straße 1
91074 Herzogenaurach
Deutschland


Betreff:
Beschwerde zum Geschehen in einer ADIDAS-Filiale in Woronesch -
öffentliche Unterstützung von Nationalisten / Hitler-Gruß aus den
Schaufenstern


Sehr geehrte Damen und Herren, 
sehr geehrte Mitarbeiter der Adidas AG,

am 20. Januar fand in Woronesch, Russland, eine Kundgebung gegen einen
Gesetzentwurf statt, der die sogenannte „Propaganda der Homosexualität“
auf der föderalen Ebene verbieten soll. Während der Aktion mit ca. zehn
lokalen Queer-Aktivisten kam es zu Auseinandersetzungen mit den
Nationalisten und radikalen Orthodoxen, die sie trotz des
Polizeieinsatzes aus Hassgefühlen beleidigten und verprügelten.
Mitarbeiter und Verkäufer der an diesem Platz liegenden ADIDAS-Filiale
„Adidas Pushkinskaja“ (ul. Pushkinskaja 2, 394018 Woronesch)beobachteten
aus den Schaufenstern das Geschehen, lächelten und schenkten den Tätern
Beifall, als sie die LGBT-Aktivisten mit den Füßen traten.

Gegen 14:30 schrieen manche Nationalisten ihre Parolen, nämlich Russland sei
nicht für Schwule u.ä., und zeigten den sog. Nazi-Gruß. Die
ADIDAS-Mitarbeiter begrüßten sie genauso und beugten den Puppen im
Schaufenster die Hand auch im Hitler-Gruß. Sie freuten sich
offensichtlich über ihre „kreative“ Aktion.

Das ganze Geschehen kann
man sich im Youtube-Video unter
(http://www.youtube.com/watch?v=d3UCJBPzm-o). Ab 4:20 können Sie die
Schaufenster des ADIDAS-Ladens sehen, wobei zunächst eine Puppe in einer
normalen Position steht und in 20 Sekunden, nachdem die Täter
LGBT-Aktivisten angegriffen hatten, schon mit dem Hitler-Gruß. Das Foto
ist auch beigelegt. Dazu gibt es zahlreiche Augenzeuge, die dieses
Geschehen gerne bestätigen würden.

Die Menschenrechtsorganisationen
"Youth Human Right Movement“, ihr Berliner Büro sowie deutsche
iDecembrists e.V., Quarteera e.V. und weitere NGOs in Russland und
Deutschland sind sehr darum besorgt, dass Adidas-Mitarbeiter ihren Hass
gegen Homosexuelle während des Dienstes öffentlich zeigen und den
radikalen orthodoxen Gruppierungen und Nationalisten in Woronesch
Beihilfe zu Straftaten leisten. 

Wir möchten Sie auch darüber
informieren, dass sich die Staatsanwaltschaft und das
Untersuchungskomitee Russlands schon seit gestern mit diesem Vorfall
beschäftigen.

Wir bitten Sie dieses Verhalten der Adidas-Mitarbeiter zu klären und zum Geschehen Stellung zu nehmen,
insbesondere ob und welche konkrete Maßnahmen ihrerseits zu dem o.g.
Vorfall gegen die einschlägige Filiale eingeleitet werden.


Wir bitten Sie auch um eine offizielle Entschuldigung auf Ihrer Web-Seite
vor der ganzen russischen Gemeinschaft von Lesben, Schwulen, Bisexuellen
und Transgender, die ohnehin unter Willkür und Schikanen in Russland
sehr leiden.


Wir bitten Sie um Stellungnahme bis zum 1. Februar 2013.


Mit freundlichen Grüßen


iDecembrists e.V.
Quarteera e.V.
YHRM-Berlin e.V.
Youth Human Rights Movement Woronesch



Sehr geehrte Damen und Herren,

die adidas Gruppe ist über die Vorfälle in Voronezh und Ekaterinburg informiert. Diese Handlungen wurden jedoch keineswegs vom Management des Unternehmens genehmigt. Darüber hinaus verstoßen sie gegen unseren internen Verhaltenskodex (Code of Conduct). Wir möchten uns aufrichtig für jegliche durch diese Taten verursachten Verletzungen und Beleidigungen entschuldigen. Vertreter der adidas Gruppe arbeiten bereits aktiv mit den zuständigen Ordnungsbehörden zusammen, um die Übeltäter zur Verantwortung zu ziehen.
Leistung, Leidenschaft, Integrität und Vielfalt sind grundlegende Werte der adidas Gruppe. Dementsprechend erwarten wir von all unseren Mitarbeiten sich gemäß diesen Grundwerten zu verhalten und mit äußerster Fairness, Integrität und Verantwortung ihrer Geschäftstätigkeit nachzugehen.
Die adidas Gruppe setzt sich zudem für die Einhaltung der Menschenrechte ein.
Wir dulden keinerlei Diskriminierung oder persönliche Belästigung – sei es sexueller oder anderer Natur. Jeder Mitarbeiter hat die persönliche Würde, Privatsphäre und Rechte eines jeden Einzelnen zu respektieren.
Jeder Mitarbeiter muss im Falle eines Verstoßes gegen das Gesetz oder gegen diesen Code of Conduct – unabhängig von den im Gesetz vorgesehenen Sanktionen – wegen der Verletzung seiner arbeitsvertraglichen Pflichten mit Konsequenzen rechnen, die bis zur Kündigung reichen können.

Viele Grüße

Corporate Communication Team adidas Group
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