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Nach dem Angriff auf "LaSky" - Interview mit Milonov: "Ich spucke auf sie."

veröffentlicht um 10.11.2013, 23:01 von Regina Elsner   [ aktualisiert: 10.11.2013, 23:35 ]
 
Interview des Nachrichtenportals Fontanka.ru mit dem Abgeordneten des St. Petersburger Parlaments Vitalij Milonow, Autor des Gesetzes zum Verbot "Homosexueller Propaganda" in St. Petersburg.

Bis zum November 2013 wurde der Kampf gegen LGBT-Aktivisten zwar demonstrativ, aber nicht besonders traumatisierend geführt. Am Vorabend des "Tages der Volkseinheit" gab es nun die ersten ernsthaften Verluste. Zwei Unbekannte drangen in die Räume der Organisation "LaSky" ein und schossen aus einer Luftpistole. Der 27jährige Dmitrij Tschizhewskij wurde ins Auge getroffen und wird nach Angaben der Ärzte mit diesem Auge nicht mehr sehen können. Das Opfer ist sich sicher, dass nicht nur die Angreifer die Verantwortung für die Verletzung tragen, die nach seiner Meinung "dumme Kerle" sind und auf jeden Fall mit Gefängnis und einem verdorbenen Leben bestraft sind, sondern vor allem die Politiker.

"Meine Invalidität liegt auf dem Gewissen von Milonov, Misulina, Jarova und anderen Politikern. Wenn ihr euch zu den Bürgern so verhalten würdet, wie zu Menschen, wenn ihr euren Hass nicht in die Köpfe dieser Kerle gelegt hättet, wäre nichts passiert. Ihr seid verantwortlich nicht nur für meine Verletzung, sondern für das Leben dieser Kerle, die eine reale Gefängnisstrafe und ein verdorbenes Leben erwartet. Ich werde mich mit allen gesetzlichen Mitteln an jedem von euch rächen, das Recht ist auf meiner Seite, und früher oder später werdet ihr euch verantworten müssen," schrieb er auf seiner Seite im sozialen Netzwerk "Vkontakte."
"Milonov erklärt laut, dass wir Feinde sind, Perverse, zweite Sorte. Wir sind keine Menschen. Wenn man uns die Rechte nehmen kann, kann man auch auf uns schießen," erklärte er einem Journalisten.

Korrespondenten des Internetportals "Fontanka.ru" nahmen Kontakt mit dem bekannten Petersburger Journalisten auf:

- Vitalij Valentinovich, das Opfer des Angriffs in den Räumen der Organisation "LaSky" am 3. Oktober Dmitrij Tschizhewskij hält sie für verantwortlich für das Geschehen. Sind sie einverstanden?"

- Ein unglücklicher Mensch. Ich habe davon gehört. Im Auge wurde er gänzlich zufällig getroffen. So gezielt aus einer Luftpistole zu schießen ist sehr schwierig, ich könnte das ohne Optik nicht. Die Anspannung ist ehr groß - damit bin ich einverstanden. Wie verhalten sich die LGBT-Organisationen? Ständig extreme Äußerungen, Beleidigungen, Provokationen. Leider halten nicht bei allen die Nerven stand, einige verhalten sich unverhältnismäßig. Aber man kann nicht davon sprechen, dass irgendeiner unserer Aktivisten mit einer Luftpistole in einen Schlupfwinkel der Homos gehen würde... Sehr schade, dass der Jungen was ins Auge bekommen hat, aber ich denke, dass das eine geplante Provokation war. Ein Schauschießen aus einer Spielzeugpistole erinnert mich an die Zeichnung des Wortes "Pädophil" im Nabokov-Museum, um die Aufmerksamkeit auf eine allen unbekannte Aufführung im Park "Erarta" zu lenken.
Gleich nach dem Ereignis erklärten die Niederlande, dass sie bereit sind, alle russischen Homos auszunehmen, die aus Russland ausreisen möchten. Alle waren darauf vorbereitet. Ich möchte, dass dieser Provokateur und Wahnsinnige, der das getan hat, schnell gefunden wird. Wenn es ein Verrückter ist müssen wir die Reihen der Aktivisten von solchen Leuten reinigen. Aber unter den Aktivisten gibt es solche nicht. Und wenn es ein Provokateur ist, wird das ein schöner Wespenstich an einer Stelle sein.

- Aber das ist ja nicht der erste Fall, bei dem Personen, die sich orthodox nennen, Vertreter der Gay-Bewegung angreifen.

- Ich kann mich an solche Aggression gegenüber diesen Menschen nicht erinnern. Aber wenn ein Idiot auf dem Marsfeld mit einem Plakat "Sodomie in jedes Haus" auftritt, dann bittet er geradezu um einen Gegenschlag. Deswegen ist es völlig falsch zu denken, irgendjemand von unseren Aktivisten das mit Tschizhewskij hätte tun können. Das Maximum, was wir zugelassen haben - irgendjemandem bei der Gay-Parade den Knüppel zu geben.

- Also den Knüppel zu geben ist zulässig, nach ihrer Meinung?

- Also, wenn ein ausländischer Agent offen meine Familie beleidigt, dann gebe ich als russischer Mann ihm mit dem Knüppel. Diese Perversen lassen beleidigende Aussagen gegen unsere Kinder zu - das macht man bei uns nicht. Möchten Sie, dass sie offiziell darüber reden können sollen?

- Wenn man den Knüppel zulässt, wo ist dann die Grenze? Welche Gewalt ist zulässig, und welche nicht?

- Wo sehen Sie denn Gewalt? Also die leben, es sind einige Menschen, sie bekommen Geld von georgischen Unternehmern aus Israel. Wer stört sie, Sodomie zu betreiben? Gehen wir denn auf den Marsch der Schuchteln? Die sind es, die auf einen Marsch gegen unsere normale Gesellschaft rausgehen.

- Es gibt Fälle von Angriffen, zur Zeit wird der Fall von Gleb Lichotkin und Dmitrij Dejneko vor Gericht verhandelt, sie werden bei des Angriffs auf Aktivisten der LGBT-Bewegung angeklagt.

- Und wer hat diese Angriffe provoziert?

- Mit was provoziert? Aus ihrer Sicht haben Schule kein Recht, an öffentlichen Demonstrationen teilzunehmen?

- Das ist die Sicht der Mehrheit der Bevölkerung. Rauszugehen und öffentlich Kindern die eigene verquere Weltanschauung zu demonstrieren - das ist bei uns nicht üblich, Kinder müssen davor geschützt werden. 

- Selbst auf dem Marsfeld, dem städtischen Hydepark?

- Dieser Platz ist für gesellschaftlich-politische Aktionen oder für Gay-Paraden reserviert? Das sind keine Menschenrechte, dass sind Rechte von Kranken und Perversen.

- Aber auf der einen Seite sind das Worte, auf der anderen Gewalt. Es gibt keine bekannten Fälle, wo Schwule die Stadtversammlung angreifen oder eine Prozession gestört hätten.

- Die haben andere Methoden. Laufen zu ihren Liebhabern in Brüssel oder Berlin, fordern, dass Menschen, die orthodoxe Werte vertreten, in ihrer Reisefreiheit eingeschränkt werden. Wer verletzt denn da die Menschenrechte?

- Ist denn der sexuelle Akt eines Mannes mit einem Mann wirklich so viel anziehender, als christliche Werte, dass man diese Werte besonders gesetzlich schützen muss?

- Das ist widerlich und abstoßend, so wie ein Mord, Lüge, wie jede amoralische Handlung. Warum verbieten wir denn die Reklame von Alkohol und Bier, möchten aber, dass vor Kindern beworben wird, wie gut die Schwulen sind und dass ihre Familien genauso normal sind, wie andere?
Man kann keinen normalen Menschen agitieren, schwul zu werden. Aber einem Kind mit 12 kann man alles mögliche in den Kopf drehen. Erklären, das die besten und erfolgreichsten Schauspieler und Designer Schwule sind. Man muss einen Jungen nur einmal betrunken machen und vergewaltigen oder verführen, und schon ist ein fertiger LGBT-Klient.

- Es fing mit kleinen Schlägen an und geht nun bis zu Schüssen aus Luftpistolen, was kommt als nächstes? Bis zu welcher Grenze kann der Widerstand gehen?

- Welcher Widerstand? Gehen Sie auf die Straße, fragen Sie die Menschen. 99 von 100 sagen, dass sie die nicht unterstützen. Niemand ist für die. Immer die gleichen Fratzen treten da auf, die das für Geld machen.

- Wenn die Gay-Bewegung so gering ist, warum verwenden Sie dann so viel Kraft und Zeit für den Kampf mit ihnen?

- Ich spucke auf sie. Ich verwende meine Kraft nicht auf sie. Sie haben mich angerufen, ich habe mich an die erinnert.

Dmitrij Tschizhewskij hat eine andere Meinung von Sicherheit. Wenn er gehört wird, dann kann sich der Angriff auf LGBT von einem einfachen Abenteuer zu einem Problem verwandeln.
"Auf dem Marsfeld hat man Menschen geschlagen, beworfen - wurde jemand verhaftet? Nein. Zu "Coming Out" kamen Rowdies. Wurde etwas unternommen? Nein. "LaSky" erhält seit drei Wochen Drohungen, die Polzei wusste davon. Wurde etwas getan? Nein. Ich weiß, dass der Staat die Sicherheit nicht gewährleistet, wir müssen selbst für Sicherheit sorgen. Nicht so, wie unsere Gegner, nicht unsere Widersacher in dunklen Ecken abfangen. Aber wir brauchen unter den LGBT bestimmte Sektionen, wo man Selbstverteidigung lernen kann, um sich zu befreien, wenn man auf der Straße angegriffen wird. Unsere Leute sind vielleicht nicht besonders stark, aber sie haben einen starken Geist. Sehr mutige Leute. Sich Muskeln anzutrainieren und Techniken des Armkampfes zu lernen ist eine Frage der Zeit."

UPD: Inzwischen wurde - nicht zum ersten Mal - von Petersburger Aktivisten Klage gegen Milonov wegen "Schüren von Hass gegen eine soziale Gruppe" bei der Staatsanwaltschaft eingereicht. Frühere Klagen wurden immer von der Staatsanwaltschaft abgewiesen.

Übersetzung: Quarteera e.V.
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