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Minsk: Gay-Pride zwischen Polizeidruck und internationaler Unterstützung

veröffentlicht um 08.12.2013, 23:36 von Regina Elsner
Vom 6. bis 10. Dezember findet in der belarussischen Hauptstadt Minsk die jährlich Gay-Pride-Woche statt. Die Organisatoren laden zu Vorträgen, Filmen, Diskussionen und Partys ein. Wie in jedem Jahr unterliegen die Veranstaltungen der permanenten Überwachung durch die Polizei, die Veranstalter wurden mehrfach überprüft und unter Druck gesetzt. Am 7. Dezember wurde das Büro der Organisatoren von der Polizei durchsucht, die Anwesenden - unter anderem der Schwede Bill Schiller - verwarnt und einer der Organisatoren, Maxim Gajkov, für einige Zeit durch die Polizei festgehalten. Das Büro wurde längerfristig von der Polizei überwacht.
Zur Eröffnung der Pride-Week wurde das neu erschienene Buch "Chronik der Diskriminierung und Unterdrückung der LGBT-Gemeinschaft in Belarus 2008 - 2013" in einer Pressekonferenz vorgestellt. An der Konferenz nahmen Vertreter des Büros der EU in Belarus, die Vorsitzende des europäischen LGBT-Verbands ILGA Europe sowie Vertreter der Botschaften von Schweden, der Niederlande und Großbritannien teil. Sie alle brachten ihre Unterstützung der belarussischen LGBT-Gemeinschaft zum Ausdruck und wünschten den Aktivisten Mut und Durchhaltevermögen in der schwierigen Situation in ihrem Land.
Maxim Gajkov und Katarina Borsuk, Mitglieder des Organisationsteams der Minsk-Pride, und Natalja Mankowskaja, Vorsitzende des Projekts "GayBelarus", präsentierten die Broschüre zur Diskriminierung von LGBT in Belarus. Sie unterstrichen, dass die Lage von LGBT in Belarus mit jedem Jahr schwieriger würde. Während die staatliche Homophobie im Nachbarland Russland systematischen Charakter habe, so sei es in Belarus die Meinung eines Mannes, auf den die gesamte Vertikale der Macht hörte. Mankowskaja machte deutlich, dass Belarus das einzige Land in Osteuropa sei, in dem es keine einzige offiziell registrierte LGBT-Organisation gibt. Die Menschen haben Angst, nicht nur überhaupt ihre Meinung zu äußern, sondern auch auf solche Veranstaltungen wie die Minsk-Pride zu kommen, da immer die Gefahr bestände, verhaftet zu werden. Die Zahl der Rechtsverletzungen gegen LGBT habe in den vergangenen Jahren konstant zugenommen.
Jüngstes Beispiel der gesellschaftlichen Homophobie ist die Absage eines Cafés, das geplante Konzert "Gegen Gewalt gegen Jugendliche" im Rahmen der Minsk-Pride durchzuführen - dem Besitzer hat es nicht gefallen, eine Veranstaltung und diesem Rahmen durchzuführen. Am 7. Dezember wurden insgesamt 4 LGBT-Partys in Minsk kurzfristig abgesagt oder durch die Polizei verhindert. 
Unterdessen wurde in New York eine Solidaritätsparty für die Minsk-Pride veranstaltet, Organisator war die Vereinigung RUSA LGBT, die russischsprachige LGBT-Community in den USA. Vor der belarussischen Botschaft in Washington führten Aktivisten der Bewegung "Spectrum Human Rights" eine Kundgebung in Solidarität mit der belarussischen LGBT-Aktivisten durch und forderten, die Gay-Pride in Belarus zu erlauben.










Übersetzung: Quarteera e.V.
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