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Luftballons, Trauer und Gewalt bei Rainbow-Flashmobs

veröffentlicht um 19.05.2013, 06:46 von Regina Elsner
Am 17. Mai fanden in zahlreichen Städten der Welt Aktionen zum "Internationalen Tag gegen Homo- und Transphobie" statt. In Deutschland beteiligte sich Quarteera e.V. in Hamburg und Berlin an den traditionellen Rainbow-Flashmobs, bei denen mit vielfarbigen Luftballons an Menschen gedacht wird, die unter Homophobie oder Transphobie leiden und wegen ihrer sexuellen Orientierung oder Genderidentität verfolgt oder ermordet werden. In diesem Jahr wurde bei beiden Aktionen besonders an die jüngsten Fälle von Homophobie in Russland erinnert - die Ermordung des 23-jährigen Wladislaw Tornowoj aus Wolgograd und den Selbstmord eines jungen Mannes in Moskau, dessen Mutter sich kategorisch gegen seine geplante Geschlechtsumwandlung ausgesprochen hatte.

In Hamburg kamen rund 800 Personen zu dem Rainbowflash auf dem Rathausplatz.

Foto: LSVD Hamburg

In Berlin fand der Rainbowflash im Rahmen des Aktionstags der Amnesty-International Gruppe der Humboldt-Universität statt. Ca. 80 Menschen ließen Luftballons in den Berliner Himmel steigen.

Foto: Ina Maier

In Russland fanden Aktionen in verschiedenen Städten statt. In St. Petersburg wurden die Luftballons unter starkem Polizeischutz im Stadtzentrum steigen gelassen. Die ca. 150 Teilnehmer_innen wurden von ca. 200 Gegendemonstranten beschimpft und bedroht, die Polizei brachte die LGBT-Aktivist_innen in geschützten Bussen zu der Aktion und - nach einem vorzeitigen Ende der Aktion aufgrund der nicht zu garantierenden Sicherheit - zu einer entfernteren Metro-Station. Unter die farbenfrohen Luftballons wurden auch schwarze Luftballons im Gedenken an die jüngsten Opfer homophober Gewalt gemischt. Unter den aggressiven Gegendemonstranten befand sich auch der Abgeordnete Witalij Milonow, Autor des Gesetzes gegen "Propaganda von Homosexualität", mit seiner Familie.


Fotos: Dmitrij Musolin

In Moskau, Perm, Woronesch, Tomsk, Murmansk, Archangelsk, Uljanowsk, Nowosibirsk und Yekaterinburg fanden ebenfalls Rainbowflashs statt, sie alle blieben von homophoben Störungen verschont. In Samara hatte die Stadtverwaltung die Aktion nicht genehmigt, statt dessen wurden Mahnwachen durchgeführt und bunte Bänder an einen Baum im Zentrum der Stadt gebunden.

Tomsk, Foto: Vitus Media

In der georgischen Hauptstadt Tiflis wurden die Teilnehmer_innen der Demonstration anlässlich des "Internationalen Tags gegen Homo- und Transphobie" von Gegendemonstranten angegriffen, mehrere Menschen wurden verletzt. Orthodoxe und nationalpatriotische Gruppen hatten zu einer Gegendemonstration aufgerufen. Die Polizei konnte die große Zahl der Gegner nicht kontrollieren, so dass diese schließlich über die LGBT-Aktivist_innen herfielen und auch den Bus, mit dem diese nach der Demonstration sicher nach Hause gebracht werden wollten, angriffen und beschädigten. Im Vorfeld der Demonstration hatte auch das Oberhaupt der Georgischen Orthodoxen Kirche zum Widerstand gegen die LGBT-Veranstaltung aufgerufen.

In den ukrainischen Städten Kiev, L'vov, Odessa und Dnjeprpetrovsk verliefen die Flashmobs ohne Zwischenfälle, auch wenn es in Kiev einigen Gegendemonstranten und Provokationsversuche gab. In Kiev geht der Flashmob der "KievPride 2013" voran, die am 22. Mai beginnt und am 25. Mai mit einer großen Demonstration für LGBT-Rechte enden wird. Die Aktionen werden aktiv von einigen diplomatischen Vertretungen unterstützt. Das ukrainische Parlament bespricht seit einiger Zeit ein Gesetz zum "Verbot homosexueller Propaganda" und bremst damit die weitere Annäherung an die EU.

In der moldawischen Hauptstadt Chișinău fand am 19. Mai eine Demonstration für LGBT-Rechte statt. Auch diese Aktion mit wenigen Dutzend Teilnehmer_innen musste durch ein Großaufgebot der Polizei vor Übergriffen durch mehrere hundert Gegner geschützt werden. Die Russische Orthodoxe Kirche in Moldawien hatte zeitgleich zu einem Gebet gegen die "Propagierung" von Homosexualität und für den Schutz von Familienwerten aufgerufen.


Quellen: 
Übersetzung: Quarteera e.V.
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