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Leiter eines usbekischen Fernsehsenders verhaftet wegen "homosexueller Unzucht"

veröffentlicht um 24.12.2012, 05:27 von Regina Elsner
In Usbekistan wurden in den vergangenen Wochen mehrere Leiter von Medienunternehmen verhaftet. Unter ihnen ist der Chef des Regionalfernsehsenders von Choresmsk, dem Korruption und homosexuelle Unzucht vorgeworfen wird. Wie am 4. Dezember die usbekische Filiale von Radio Liberty (Ozodlik) mitteilte, wurde der 36jährige Journalist Botin Sultonow am Beginn der Woche festgenommen. Er befindet sich im Untersuchungsgefängnis des lokalen Sicherheitsdienstes.
Nach Angaben eines anonymen Mitarbeiters des Fernsehsenders wird Sultonow mit Bezug auf die Artikel 211 (Bestechung), 119 (gewalttätige sexuelle Befriedigung in unnatürlicher Weise) und 120 (Sodomie/Homosexualität) des usbekischen Strafgesetzbuches angeklagt. Diese Angaben bestätigten die Verwandten des Journalisten. Angeblich habe ein Mitarbeiter der Buchhaltung den Leiter der Bestechung und Sodomie beschuldigt und darüber den Sicherheitsdienst informiert. Dieser nahm Sultonow fest und initiierte eine umfassende steuerrechtliche und verwaltungsrechtliche Überprüfung des Senders.
Verwandte Sultonows gaben an, dass die Vorwürfe bisher nicht bestätigt werden konnten und es sich vermutlich um einen Konkurrenzstreit um den Führungsposten handelt.
Bereits am 26. November wurden mehrere führende Mitarbeiter des Radiosenders ORIAT in Taschkent verhaftet. Verschiedene Informationsquellen bestätigten, dass die Verhaftungen im Rahmen einer groß angelegten Monopolisierung der usbekischen Medien stehen, so dass "der Löwenanteil der Einnahmen aller privaten Radiosender in einer Hand sind und der Informationsfluss vereinheitlicht wird."

Usbekistan und Turkmenistan sind die einzigen Länder der ehemaligen UdSSR, in denen Homosexualität nach wie vor strafrechtlich verfolgt wird. Die Gesetzgebung dient oft als Möglichkeit, unliebsame öffentliche Personen aus dem Weg zu räumen. Ein ähnlicher Effekt wird für die sich in Russland und der Ukraine ausbreitende homophobe Gesetzgebung erwartet.

Übersetzung: Quarteera e.V.
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