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Kein Treffen von LGBT-Aktivisten mit IOC-Präsident Thomas Bach in Sochi

veröffentlicht um 03.11.2013, 10:11 von Regina Elsner
Der neugewählte Präsident des Internationalen Olympischen Komitees Thomas Bach ist der Anfrage russischer LGBT-Organisationen für ein reffen während seines Besuchs in Sochi ausgewichen. In dem Antwortschreiben heißt es, dass das IOC zu einem Treffen bereit wäre, Zeit und Ort aber gesondert besprochen werden müssen.

In dem Anschreiben an den IOC-Präsidenten wiesen die LGBT-Aktivisten darauf hin, dass die in Russland geltende Gesetzgebung ein feindliches Klima gegenüber Schwulen, Lesben, Bi- und Transsexuellen fördern würde. „Neben den existierenden diskriminierenden und stigmatisierenden Gesetzen geben die Abgeordneten regelmäßige neue homophobe Gesetzesinitiativen heraus, die nicht nur eine Minderwertigkeit von Homosexuellen und Transgender unterstellen, sondern auch Hass gegenüber LGBT schüren,“ heißt es in dem Text.

Die LGBT-Aktivisten bestätigen, dass die homophoben Gesetze die Olympische Charta verletzten, in der von der Unzulässigkeit „jeglicher Formen von Diskriminierung“ gesprochen wird.

Die Menschenrechtler hatten Thomas Bach vorgeschlagen, die Zusicherung des Schutzes für LGBT-Sportlerinnen und -Sportler sowie der Zuschauer der Olympiade, die Öffnung eines Pride-Hauses sowie die Notwendigkeit einer Reform des IOC zu besprechen, um ähnliche Krisen in Zukunft zu vermeiden.

Der neue IOC-Präsident war am vergangenen Montag in Sochi angekommen. Präsident Putin hatte während des Treffens mit Bach erklärt, dass Russland als Ausrichter der Olympischen Winterspiele alles tut, „damit sich die Teilnehmer und die Gäste bei der Olympiade in Sochi wohlfühlen, unabhängig von ihrer nationalen oder Rassen-Zugehörigkeit oder ihrer sexuellen Orientierung.“

Die Koalition der russischen LGBT-Organisationen war speziell im Zusammenhang mit der bevorstehenden Olymipiade Anfang Oktober in St. Petersburg gegründet worden. Zu ihr gehören das Russische LGBT-Netz, die St. Petersburger LGBT-Organisation „Coming Out“, die Archangelsker LGBT-Organisation „Rakurs“, das LGBT-Kinofestival „Side by Side“, die Russische LGBT-Sport-Föderation und das Projekt Out Loud. An der Anfang Oktober stattgefundenen Konferenz nahmen außerdem Vertreter der internationalen Organisationen Human Rights Watch, Open Society Foundations, Human Rights Campaign und All Out teil.

Später teilte der IOC-Präsident der LGBT-Koalition mit, er würde ein Treffen mit ihnen in Lausann vorschlagen. Wie die Petersburger Oganisation „Coming Out“ in ihrer Presserklärung am 30. Oktober mitteilte, sei das Angebot ein Zeichen dafür, dass die Olympiade in Sochi weit davon entfernt sei, eine Forum für die Verwirklichung der Olympischen Werte von der Achtung der Menschwürde zu werden. Nach Aussage von Anastasia Smirnowa, der Sprecherin der neu gegründeten Koalition, sei nicht absehbar, wie die Olympischen Spiele zu einer harmonischen und die Menschen vereinenden Veranstaltung werden sollen, wenn die geltende russische Gesetzgebung gegen die sogenannte „Homo-Propaganda“ allein in ihrem Kern bereits diskriminieren und die Menschenwürde verachtend sei. „Die bisherige Diskussion und Definition, wie die für die Olympiade verpflichtenden Prinzipien der Freiheit von Diskriminierung und Achtung der Menschenrechte konkret umgesetzt werden sollen, schätzen wir als sehr kritisch ein. Wir sind enttäuscht von der Absage Thomas Bachs, sich mit LGBT-Organisationen in Sochi zu treffen, aber wir sind froh, dass der Dialog dennoch stattfinden soll.“


Übersetzung: Quarteera e.V.
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