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Homophober Mob in Russland: Jagd auf "Kinder-404"

veröffentlicht um 07.07.2013, 05:48 von Regina Elsner   [ aktualisiert: 07.07.2013, 07:10 ]


Durch das russische soziale Netzwerk Vkontakte.ru wurde bekannt, dass mehrere Gruppierungen nationalistischer Ausrichtung eine regelrechte Jagt auf LGBT-Jugendliche und Kinder begonnen haben. Diese Gruppen unter dem Namen "Occupy Pedophil", "Occupy Gerontophil", "Kinder 14/88", die meistens ebenfalls von Jugendlichen oder jungen Erwachsenen angeführt werden, locken im Internet Jugendliche zu angeblichen Treffen zum Kennenlernen bzw. zu sexuellen Episoden mit gleichgeschlechtlichen Partnern. Bei dem Treffen selbst werden die Jugendlichen dann oft gewaltsam erniedrigt, gefilmt und zu öffentlichen Bekenntnissen ihrer "nicht traditionellen" sexuellen Neigung vor der Kamera gezwungen. Die Videos werden in sozialen Netzwerken verbreitet, den Jugendlichen wird mit Gewalt und Zwangsouting vor den Eltern und Bekannten gedroht. Die jugendlichen Neonazis rühmen sich im Netz, Russland von "Pädophilen und Homos" zu reinigen.
Besonderes Ziel der verschiedenen Gruppen ist nun das Projekt "Kinder 404" von Lena Klimowa aus Yekaterinburg geworden. Sie ermutigt seit Beginn des Jahres LGBT-Jungendliche, ihre Geschichte, ihr Coming-Out, ihre Probleme und Ängste im Kontext der homophoben Gesellschaft und Politik in Russland aufzuschreiben. Das Projekt möchte den Jugendlichen eine Stimme geben, die es laut den aktuellen Gesetzen und gesellschaftlichen Stimmen nicht gibt, die - code 404 - nicht gefunden werden. Es will darauf aufmerksam machen, dass die Gesetze, welche zum "Schutz der Kinder" die Informationsverbreitung über Homo- Bi-, und Transsexualität verbieten, beonders Kinder und Jugendliche gefährden, die dadurch keine adäquaten Informationen über ihre Sexualität bekommen können und unter Homophobie, Mobbing und physischer und psychischer Gewalt besonders leiden. Auf der Seite veröffentlichen außerdem Erwachsene ermutigende Texte nach dem Modell des amerikanischen "It gets better"-Projekts.
In mehreren neonationalistischen Gruppen wird nun dazu aufgerufen, die auf den Seiten "Kinder 404" veröffentlichten Personen sowie deren Organisatorin Lena Klimowa zu identifizieren und unter Druck zu setzen. Die Internetseiten der Gruppierungen sind gefüllt mit öffentlichen Aufrufen zu xenophober und homophober Gewalt bis hin zu Mord. Rechtliche Konsequenzen hatte bisher nur die Verbreitung eines Videos aus der Stadt Tambow, in dem Jugendliche einen 12jährigen Jungen erniedrigen und bedrohen - die lokale Staatsanwaltschaft untersucht den Fall.



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