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Filmfestival „Side by Side“: politische Diskussionen und homophobe Proteste

veröffentlicht um 25.10.2012, 00:41 von Regina Elsner   [ aktualisiert: 25.10.2012, 00:45 ]

Quarteera e.V. (25.10.2012) Am 25. Oktober eröffnet in St. Petersburg das 5. LGBT-Kinofestival „Side by Side“. Wie der Pressdienst des Kinofestivals mitteilte, werden 37 Filme aus 20 Ländern gezeigt, unter ihnen Russland, Großbritannien, Schweden, Niederlande, Chile, Brasilien, China und Uganda. Erwartet werden außerdem mehr als 15 internationale Gäste – Regisseure und Aktivisten – für Diskussionen und Filmbesprechungen. Am 27. Oktober ist nach der Vorführung des ugandischen Films „Call me Kuchu“ eine Diskussion der jüngsten Gesetzesinitiativen gegen LGBT in verschiedenen Ländern geplant. An dieser Diskussion nehmen die ugandische Aktivistin Stosh Jovan, ein Mitarbeiter des Menschenrechtsbeauftragten der Stadt St. Petersburg, das Mitglied der Parlamentsversammlung des Europarats Robert Bierdron (Polen), der Vorsitzende des russischen LGBT-Netzwerks Igor Kochetkov und die Direktorin des Antidiskriminierungs-Zentrums „Memorial“ Stefanie Kulaeva teil. Zum ersten Mal finden im Rahmen des Festivals politische Debatten statt. Nach dem amerikanischen Film „Outrage“ am 1. November folgt eine Diskussion zum Thema „LGBT und russische Politik“. Der Film wurde nicht zufällig gewählt, er thematisiert das geheime Leben führender Politiker der USA und zeigt damit die doppelten Standards, die Psychologie eines Doppellebens und den Schaden für die Gesellschaft durch Menschen, die ihr wahres Gesicht geheim halten. In der ersten Diskussionsrunde sollen Menschenrechtler und zivilgesellschaftliche Aktivisten die Legitimität von radikalen Outing-Methoden diskutieren. In einer zweiten Runde werden Politiker die Möglichkeit diskutieren, Fragen der LGBT-Rechte in die politischen Parteiprogramme aufzunehmen.

Daneben kündigten sich erste Proteste gegen das Kinofestival an. Am 25. Oktober sollen um 18 Uhr parallel zu Eröffnung des Festivals Mahnwachen der Bewegung „Reaktion“ vor dem Hotel „Angleterre“ stattfinden. Die Organisation „Kämpfer des Lebens“ kündigte an, dass der Leiter der Bewegung „Reaktion“ Dmitrij Baranow direkt vor dem Festival die Polizei auffordern wird, gegen die Organisatoren des Festivals ein Strafverfahren aufgrund des Artikels 282 („Entfachen religiöser Konflikte“) zu eröffnen und die Durchführung der „extremistischen Veranstaltung“ nicht zuzulassen. Unter anderem weisen die Organisatoren der Aktion auf den angeblich extremistischen Charakter des Films „Young and Wild“ hin, der als Eröffnungsfilm im Hotel „Angleterre“ gezeigt wird. „Wir wollen niemandem, außer den Rechtsorganen, empfehlen, diese Filme anzusehen: sie enthalten gotteslästerliche und pornographische Szenen.“ Die Organisatoren empfehlen allen „aufmerksamen Bürgern“, sich an die Polizei vor Ort zu wenden mit der Forderung, die Organisatoren des Festivals zur rechtlichen Verantwortung zu ziehen.

Quellen: http://www.baltinfo.ru/2012/10/25/Na-LGBT-kinofestivale-Bok-o-Bok-ozhidayutsya-ne-tolko-kinopokazy-no-i-politicheskie-debaty-312764 

http://www.baltinfo.ru/2012/10/25/V-znak-protesta-protiv-kinofestivalya-Bok-o-Bok-proidet-odinochnyi-piket-312778

Übersetzung: Quarteera e.V. 

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