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Erklärung des Russischen LGBT-Netzwerks zum Mord an Wladislaw Tornowoj

veröffentlicht um 13.05.2013, 07:00 von Regina Elsner
Erklärung des Russischen LGBT-Netzwerks zum Mord an Wladislaw Tornowoj

Wir sind tief betroffen von dem grausamen Mord an Wladislaw Tornowoj, der am 9. Mai in Wolgograd stattgefunden hat. Zwei junge Männer haben den Mann gefoltert und grausam getötet, weil er ihnen anscheinend von seiner Homosexualität erzählt hat. Nach den Worten der mutmaßlichen Täter hat dieses Bekenntnis und sein "herausforderndes Verhalten" die "patriotischen Gefühle" der Mörder verletzt. Der Gedanke, dassLGBT, die offen zu ihrer sexuellen Orientierung stehen, allein durch ihre Existenz "religiöse" und "patriotische" Gefühle von Russen verletzen und nicht mit deren "traditionellen Werten" zu vereinbaren sind, erklingt seit langem und dauerhaft auf dem höchsten politischen Niveau. Begleitet von diesen Gesprächen werden Gesetze über das Verbot der sogenannten "Propaganda von Homosexualität" erlassen und bereits Menschen ermordet.
Der Mord an Wladislaw Tornowoj ist eines von zahlreichen Hassverbrechen. Das durch das Russische LGBT-Netzwerk durchgeführte Monitoring zeigt, dass die Anzahl der Verbrechen aufgrund von homo- oder transphobem Hass in den letzten Jahren zugenommen hat. Diese Verbrechen sind gefährlich, weil sie aus ideologischen Gründen durchgeführt werden und grundsätzlich jeder Mensch Opfer werden kann, der - tatsächlich oder nach Meinung der Verbrecher - zu einer "nichttraditionellen" Gruppe gehört.
Die Verantwortung für diese Verbrechen tragen nicht nur diejenigen, die morden und angreifen, sondern auch die, durch deren Reden die Verbrecher mit Argumenten bestärkt werden. Das sind Politiker, religiöse und gesellschaftliche Handlungsträger, Journalisten oder anonyme "Kommentatoren" im Internet. Die gesamte Gesellschaft wird so hineingezogen in die Provokation und Rechtfertigung von Hassverbrechen. Und jede/r, buchstäblich jede/r kann zum Opfer werden.
Das Russische LGBT-Netzwerk wird die Etappen der Untersuchung verfolgen und die notwendige Berücksichtigung des Hass-Motivs bei der Anklage und Verurteilung einfordern. Dafür sind wir bereit, den Verwandten des Opfers kostenlose juristische Hilfe zur Verfügung zu stellen.
Heute kann niemand mehr so tun, als ob ihn das nicht betrifft. Wir rufen alle Menschen, die nicht gleichgültig sind, auf, am 17. Mai, am Internationalen tag gegen Homo- und Transphobie, sich unseren Aktionen zur Erinnerung an Opfer von homo- und transphobem Hass teilzunehmen, die in verschiedenen russischen Städten stattfinden werden.
Wir rufen die Führer unseres Landes, gesellschaftliche und religiöse Akteure auf, öffentlich die Verfolgung und Gewalt aufgrund von Homo- und Transphobie zu verurteilen, und die Untersuchungsbehörden fordern wir auf, eine gründliche Aufklärung des Mordes unter Berücksichtigung der hohen gesellschaftlichen Bedrohung solcher Verbrechen zu betreiben.
Das Russische LGBT-Netzwerk bringt sein tiefes Beileid den Verwandten und Freunden von Wladislaw Tornowoj zum Ausdruck.

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