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Belarus: Festnahmen und Druck auf LGBT-community

veröffentlicht um 05.02.2013, 11:51 von Regina Elsner   [ aktualisiert 06.02.2013, 01:34 von W K ]
In der Nacht vom 1. auf den 2. Februar kam es in Belarus erneut zu einer polizeilichen Überprüfung einer LGBT-Party. Die bereits dritte Überprüfung dieser Art wurde von ca. 8 Polizisten durchgeführt, ca. 40 Besucherinnen und Besucher wurden vorläufig festgenommen zur Aufnahme ihrer persönlichen Angaben. Es wurde von den Polizisten mitgeteilt, dass die Razzia mit der Tätigkeit des Leiters der Organisation "GayBelarus" Sergej Androsenko zu tun hätte, da dieser "sich mit Dingen beschäftigt, die er besser sein lassen sollte." Androsenko selbst wurde vor zwei Wochen bei dem Grenzübertritt von Polen nach Belarus der Reisepass abgenommen und bisher nicht ausgehändigt. Augenzeugen berichten, dass die Polizei sehr grob mit den Besucherinnen und Besuchern der Party umging. Ein Teilnehmer, welcher einen Polizisten bat sich vorzustellen, wurde in den Polizeibus geschleift und dort mit Handschellen festgebunden. 
Bereits im Januar war es zu Razzien bei LGBT-Partys gekommen. Im Witebsker Bezirk wurden gewöhnliche Besucher der Partys vor Kameras befragt, andere wurden zu Befragungen zur Polizei bestellt. Ebenfalls verhört wurden die 60 Gründer/innen der Menschenrechts-Vereinigung "Menschenrechts-Zentrum Lambda". Die Vereinigung soll der Organisation "GayBelarus" einen institutionell legalen Rahmen geben, entsprechende Anträge wurden bereits zum zweiten Mal eingereicht. Am 8. Dezember wurde Sergej Androsenko zum Leiter der Vereinigung gewählt. Die polizeilichen Befragungen wurden in 8 Städten durchgeführt. Androsenko vermutet, dass der "beispielloser Druck, der auf die LGBT-community ausgeübt wird", durch die Sorge der Staatsorgane vor den von der Organisation vertretenen Werten begründet ist. Androsenko fürchtet selbst um seine Freiheit. Der Koordinator von "GayBelarus" im Bezirk Grodno hat Ausreiseverbot. Die Menschenrechtlerin Natalja Mankowskaja vermutet, dass der Staat die Organisation zerstören und für junge Menschen unattraktiv machen will. Nach den Razzien ist ein Rückgang der Teilnehmerzahlen bei LGBT-Partys zu verzeichnen - man fürchtet sich, bei einer Razzia verhaftet oder verhört zu werden.

Übersetzung: Quarteera e.V.
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