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6. LGBT-Kinofestival "Side by Side" in St. Petersburg

veröffentlicht um 26.11.2013, 09:29 von Regina Elsner   [ aktualisiert: 26.11.2013, 09:38 ]

Zum sechsten Mal findet derzeit in St. Petersburg das einzige LGBT-Kinofestival Russlands "Side by Side" statt. Das Festival startete am 21. November und wird bis zum 30. November zahlreiche Spielfilm, Dokumentarfilme und Kurzfilme präsentieren, die zuvor bei internationalen Filmfestivals erfolgreich gezeigt wurden. Neben den Filmvorführungen werden wie in jedem Jahr Diskussionen, Vorträge und Begegnungen mit Regisseuren und Schauspielern veranstaltet. Traditionelles Ziel des Festivals ist es, dem russischen Publikum Vielfalt und Diverstität im Kino zu zeigen, für eine tolerante Gesellschaft zu werben und die aktuellen Entwicklungen in Russland zu diskutieren. 
Das Kinofestival hatte in diesem Jahr bereits mit langwierigen Gerichtsverhandlungen zu kämpfen - als eine der ersten NGOs wurden die Organisatoren beschuldigt, "ausländische Agenten" im Sinne eines neuen NGO-Gesetzes zu sein. Die zunächst gegen die Organisation und gegen ihre Direktorin verhängten hohen Geldstrafen und die Anklage wurden schließlich in zweiter Instanz annulliert, allerdings musste bereits die Organisationsstruktur geändert werden, außerdem konnte ein großer Teil der bereits gezahlten Strafen nicht zurück erstattet werden.

Das diesjährige Festival ist einmal mehr von der homophonen Stimmung in Russland betroffen. Die Eröffnung und eine weitere Veranstaltung mussten verschoben werden, da Bombendrohungen eintrafen und die Polizei die Gebäude evakuieren lassen musste. Ein Veranstaltungsort kündigte daraufhin fristlos die Zusammenarbeit, so dass für zwei weitere Termine kurzfristig ein neuer Ort gesucht werden muss. Auch die Vorführung des Cannes-Gewinners "Blau ist eine warme Farbe" musste wegen einer Bombendrohung abgesagt werden, die Teilnehmer wurden durch den Hinterhof aus dem Gebäude geführt und gebeten, nach Hause zu gehen. 
Die Organisatoren lassen sich davon nicht entmutigen, nach ihren Angaben wird das Festival wie geplant fortgesetzt, für die Sicherheit der Besucher wird umfassend gesorgt. Zu den Bombendrohungen selbst sagten sie: 
"Das, was bei der Eröffnung des Festivals und am 23. November geschehen ist, zeigt gut, dass Homophobie und Hass für die gesamte Gesellschaft gefährlich sind. An diesen beiden Tagen litten nicht nur die Besucher des Filmfestivals "Side by Side" unter dem Telefonterror, sondern auch alle anderen Menschen, die sich in den Gebäuden des "Warschauer Express" und "Loft Projekt Etagi" befanden. Unsere Gegner nutzen verbrecherische und unwürdige Methoden, um die Durchführung des Festivals zu verhindern, und wir werden uns darum kümmern, dass die Schuldigen gefunden werden und eine ernstzunehmende Strafe erhalten. 
Aber das Festival "Side by Side" wird fortgesetzt! Wir erhalten Unterstützung von verschiedenen Menschen - nicht nur von unserem Publikum, sondern auch von Journalisten, gemeinnützigen Organisationen, Kulturschaffenden, der Polizei, Abgeordneten, dem Menschenrechtsbeauftragten für St. Petersburg. Wir arbeiten eng mit der Polizei zusammen und unternehmen alle Maßnahmen, damit die kommenden Vorführungen so durchgeführt werden können, wie wir sie geplant haben - ruhig und ohne Zwischenfälle."

Das Festival besticht auch in diesem Jahr durch bekannte internationale Gäste und eine Auswahl erstklassiger und international prämierter Filme. Unter den Gästen sind Dennis Wielaert, Bettina Dziggel, Marta Cunningham, Ed Wolf, Gus Van Sant und Dustin Lance Black. Das Filmprogramm kann unter http://www.bok-o-bok.ru/saint-peterburg-2013.asp?pid=110&lan=1 abgerufen werden.

Übersetzung: Quarteera e.V.

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