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23-Jähriger Schwuler in Wolgograd grausam ermordet

veröffentlicht um 12.05.2013, 10:03 von Regina Elsner   [ aktualisiert: 12.05.2013, 11:11 ]
In Wolgograd wurde in der Nacht vom 9. auf den 10. Mai der 23-Jähriger schwule Mann Vladislav Tornovoj verprügelt, vergewaltigt und ermordet. Die Leiche wurde in einem Innenhof gefunden. Nach Angaben des Untersuchungskomitees wurde die Leiche des jungen Mannes mit zahlreichen Verletzungen u.a. der Geschlechtsteile aufgefunden. Es wurde Anzeige wegen Ermordung erlassen. Nach Angaben des lokalen Informationsportals V1.ru war der Leichnam nackt, sein Kopf eingeschlagen und in seinen After war eine Bierflasche gesteckt. Offensichtlich wurde versucht, den Körper anzuzünden.
Es wurden drei mutmaßliche Täter festgenommen, einer von ihnen hat das Verbrechen bereits gestanden. Angeklagt sind ein 22-Jähriger Bekannter des Toten und sein 27-Jähriger Freund, beide haben Vorstrafen. Bei der ersten Befragung gab der Bekannte des Toten an, dass sie zu zweit mit zwei weiteren Freunden im Innenhof des Hauses gesessen hatten und Bier getrunken haben. Im Laufe des Gesprächs stellte sich heraus, dass ihr 23-Jähriger Bekannter schwul sei, worauf die anderen Anwesenden mit Unverständnis reagierten. Deshalb fingen er und sein 21-Järiger Bekannter, der ebenfalls bereits Vorstrafen hat, an, den schwulen Bekannten zu verprügeln und traten ihn, was zu mehrfachen Rippenbrüchen führte. Danach entkleideten sie das Opfer und begannen, ihm Bierflaschen in den After zu stecken. Zwei Flaschen wurden vollständig hineingesteckt, eine weitere nur teilweise. Das Opfer war zu diesem Zeitpunkt bereits ohne Bewusstsein. Die Angreifer legten über den Körper Pappen und versuchten, ihn anzuzünden, danach gingen sie nach Hause. Auf dem Heimweg dachten sie, dass das Opfer sich an die Polizei wenden könnte, wenn er zu bewusstsein käme und kehrten zurück. Einer von ihnen nahm einen Pflasterstein von ca. 20 kg und warf ihn 8 Mal auf den Kopf des Opfers.
Zwei Angeklagte sind vorerst für 2 Monate in Untersuchungshaft, der Dritte wird als Zeuge behandelt.
Am 14. Mai wird die Beerdigung und eine Trauerfeier für den Toten am Ort des Verbrechens stattfinden.
Nikolaj Alekseev, LGBT-Aktivist aus Moskau, forderte gegenüber Interfax eine härteres Vorgehen bei Verbrechen aufgrund der sexuellen Orientierung. "Dieser grausame Fall in Wolgograd zeigt die Früchte der homophoben Politik im Land, wozu auch das Verbot der Propaganda von Homosexualität zählt. Mit jedem Jahr werden diese Verbrechen zunehmen, wenn sich die Politik nicht ändert. Wir möchten erreichen, dass Hassverbrechen gegen sexuelle Minderheiten besonders hart bestraft werden. Nur dann werden diese tragischen Fälle weniger werden." Alekseev ist außerdem beunruhigt dadurch, dass das Verbrechen in Wolgograd nur als Mord verhandelt werden könnte. "Bisher wird der Hass gegen sexuelle Minderheiten fast nie als Motiv beachtet, die Untersuchungen laufen dann nur unter Mord und die homophoben Motive verschwinden aus den Unterlagen."
In zahlreichen Kommentaren zu der Nachricht überwiegen homophobe Meinungen, so etwa von Bekannten des Opfers, die schreiben: "Er war nicht schwul, er war ganz normal, hat die Uni abgeschlossen," bis hin zu der Meinung, dass die Angreifer selbst schwul waren und ihn pervertiert hätten durch ihre Sexpraktiken mit Bierflaschen. Außer einigen lokalen Internet-Diensten berichteten die russischen Nachrichten nicht über den Fall.

Quellen:
Übersetzung: Quarteera e.V.
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