BLOG‎ > ‎

Hetzjagd auf Homosexuelle in Tschetschenien

veröffentlicht um 04.04.2017, 00:59 von W K   [ aktualisiert: 04.04.2017, 14:06 ]
Stellungnahme von Quarteera e.V.


Wie inzwischen aus den Medien, sowie durch die Veröffentlichungen russischer Menschenrechts- und LGBT-Organisationen hinlänglich bekannt wurde, sind in der russischen autonomen Republik Tschetschenien in der letzten Woche massenhaft homosexuelle Männer verhaftet und einige sogar ermordet worden. In ihren in Pressestatements rechtfertigten zahlreiche tschetschenische Politiker Gewalt gegenüber Schwulen. Durch diese Äußerungen wurde Hass geschürt und neuen Straftaten Vorschub geleistet.

Wir als QUATEERA e.V., die Organisation der russischsprachigen Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transgender (LGBT) in Deutschland, verurteilen die Politik der Verfolgung von LGBT und die Rechtfertigung von Gewalt gegen das Individuum auf das Schärfste. Das, was derzeit in Tschetschenien passiert, ist ein eklatanter Verstoß gegen die Verfassung und die Gesetze der Russischen Föderation, gegen die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte, die Europäische Menschenrechtskonvention, sowie eine Reihe anderer internationaler Verträge und Vereinbarungen.

Quarteera betont, dass der Prozess der Marginalisierung und Dämonisierung von LGBT nicht erst in der letzten Woche begonnen hat. Im Nordkaukasus und vor allem in Tschetschenien wurden in den letzten Jahrzehnten täglich Menschen- und Bürgerrechte verletzt. In Deutschland leben zehntausende Flüchtlinge aus dieser Region - unter ihnen auch viele LGBT. Nach ihren Aussagen findet eine Verfolgung von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transgendern in Tschetschenien seit Jahren statt. Der tschetschenische Präsident Ramsan Kadyrow hat mehrfach zum Ausdruck gebracht, dass seiner Meinung nach regionale Traditionen wichtiger seien als Gesetze. Auch Ehrenmorde wurden mehr als einmal von ihm gutgeheißen. Die russische Regierung und ihre Behörden haben da oft weggeschaut und dadurch sich selbst dieser Taten mitschuldig gemacht.

Wir rufen die Bundesregierung und die Menschenrechtsorganisationen der Bundesrepublik dazu auf, alles in ihrer Macht stehende zu tun um die Regierung der Russischen Föderation dazu zu bringen, in der Tschetschenischen Republik eine verfassungsmäßige Ordnung nicht nur de-jure sondern auch de-facto herzustellen. Alle, die sich an den Verbrechen beteiligt haben und jene, die sich durch Mordaufrufe oder deren Rechtfertigung ebenfalls strafbar gemacht haben, sind anzuklagen! Die Russische Föderation ist laut ihrer Verfassung ein säkularer Staat – weder Traditionen noch religiöse oder andere Überzeugungen stehen höher als das Gesetz und das Menschenrecht auf das Leben!

Wir drücken unsere aufrichtige Anteilnahme mit allen Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transgendern in ganz Russland aus und bieten sowohl einzelnen Personen als auch Organisationen unsere Unterstützung an.


Vorstand von QUARTEERA e.V.

Kontakt: Konstantin Sherstyuk, Vorstandsvorsitzende von QUARTEERA e.V.
kostya@quarteera.de,
+79266519923 (bis 6. April 2017), 
+4915781896608 (ab 6. April 2017)
Comments